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Homepage der St. Kilda Saints

Hallo zusammen,

Ich bin inzwischen dabei mich hier fleissig einzuleben. Und dazu gehört natürlich auch sich mit dem Nummer eins Hobby der Australier auseinander zu setzten. Aussi Rules Football. Vergesst alles was ihr über Football zu wissen glaubt – es ist ganz anders. Damit ich nicht alleine, verloren und ohne ein Team für das ich Fan sein kann durchs Leben ziehen zu müssen hat mein Chef mich zu einem Spiel eingeladen. Melbourne gegen Adelaid = Demons vs Crows. Und mir gleich gedroht ich müsse dann auch eine Pie und ein Spielbier mitessen.

Ich also tapfer was warmes mit ins Büro genommen, denn wir wollten gleich von dort aus los und inzwisSpiel im Telstra-Domechen ist hier schon so richtig der Winter eigekehrt. Wir sind dann auch zum grössten Stadion das Melbourne zu bieten hat – dem MGC. Das ist eigentlich ein Kricket Stadion – aber die Footballer dürfen auch drin spielen. Das Stadion wird gerade ausgebaut und so waren nicht alle Plätze verfügbar. Ist aber nicht wirklich schlimm, wenn man bedenkt das immerhin 100K Leute da rein passen. Jo – hab ich mir so gedacht – das ist für eine 4 Mio Einwohner Stadt aber nicht unbedingt viel. Man bedenke das Freiburg ja schon 40K Fans hat – und das auf vielleicht eine halbe Million wenn man noch alle Käffer der Umgebung mit dazurechnet. Aber da Greifen dann die besonderen Strukturen der Liga. Es gibt nämlich 18 Teams – gibt es bei uns in der Bundesliga ja auch – interessant war für mich aber, dass alleine acht der Teams aus Melbourne kommen. Dann verteilen sich die Fans quasi auf acht Stadien – und dann sind 50K Zuschauer doch eine ganze Menge pro Stadion.

Macht für mich die Sache nicht wirklich einfacher, denn nun musste ich mich ja für eines der Teams in Melbourne entscheiden. Ich und Mark (mein Chef)Der Chef von meinem Chef ist für die Melbouren Deamons. Wäre also nicht schlecht sich da gleich mal einzuschmeicheln und Punkte zu machen. Mein Chef ist für die Adelaid Crows – nun wird’s schon schwierig bei wem man sich eher beliebt machen soll. Aber ihr kennt ja den Jürgen – habs einfach nicht so drauf mit den politischen Spielchen. Habe meine Entscheidung nach einem anderen Kriterium gefällt. Meine neue Bude ist quasi direkt an der Grenze zum Stadtteil St. Kilda. Nun ist St. Kilda das St. Pauli von Australien wenn es um Football geht. Das Team heisst „Saints“ und wie ich bei meinem zweiten Spiel festgestellt habe, haben die eine ziemlich eingängige Mannschaftshymne. Kennt ihr auch alle – zwo, drei „Oh when the Saints go marching in, oh wenn the saints go marching in …“ Wäre es da klug mit einem Melbourne Deamons Schal um den Hals nach Hause zu laufen wenn man mitten durch St. Kilda muss? Also habe ich mich entschieden für die Saints zu brüllen. Ist auch kein schlechtes Team – so im oberen Drittel der Liga. Allerdings kann man in der Liga nicht auf- oder absteigen, was den Spass dann doch ein wenig schmälert. Ich also mit meinem Chef ins Stadion – in Bier in die Hand und die Atmosphäre genossen. Ist schon super. Zwischen dem Spielfeld und den Zuschauern gibt es nur eine kleine Balustrade auf der die Werbung angebracht ist. Heisst, das die den Ball volle Kante in die Zuschauer semmeln um ein Tor zu machen. Die Zuschauer finde das natürlich Klasse. Als nächstes ist mir aufgefallen, dass fast die Hälfte der Fans weiblich ist. Da kann Fussballdeutschland nicht wirklich mithalten. Und glaubt mir – die Frauen sind die mit den Lauten Stimmen und den derben Sprüchen – das muss man erlebt haben. Und die kommen gleich mit der ganzen Familie. Kinder und Oma Opa – alle sind mit dabei. Ein echtes Event für die ganze Familie.

Demonstration für BrustkrebsfrüherkennungAm Anfang des Spieles wir meist für irgend eine Karitative Sache geworben. In diesem Fall war das für die frühzeitige Brustkrebsuntersuchung bei Frauen. Die haben einem schon vor dem Stadion aufgelauert und wollten von mir wissen was ich den davon halte. Gute Frage – sehe ich aus wie eine Frau? Habe ich das was mitzubestimmen? Habe dann aber brav ein paar Dollar gespendet, und um mehr ging’s wohl auch nicht. Bei Spielbeginn sind dann alle Frauen die was gespendet haben mir lila Capes auf den Rasen und haben irgend ein Lied gesungen (Ob es ein Lied über Brustkrebs war kann ich nicht sagen – wäre aber doch mal was neues).

Auf die Regeln will ich hier nicht eingehen. Nur soviel – es ist auf dem Spielfeld so ziemlich alles erlaubt. Wenn ein Spieler niedergerannt wird und nicht mehr aufsteht, dann kommt in der Pause ( 4 Quarter a 30 min) der Sanitäter und schaut ob der Kerl noch lebt. Keine rote Karte, keinen Freikick oder sonst was – das Risiko gehört zum Spiel. Geht also ziemlich brutal zur Sache. Die eigentlichen Regeln habe ich erst ganz am Ende alle zusammen gehabt nach dem ich meinen Chef ziemlich lange mit Fragen genervt habe. Aber versucht ihr mal einem Aussi klar zu machen was eine Abseitsfalle ist – so habe ich nie verstanden wann ein Ball „market“ ist und gekickt werden darf.

Und dann kam natürlich auch die angedrohte Pie. Erst dachte ich ja, dass die bestimmt ganz furchtbar schmeckt und man damit die Touristen verascht. So nach dem Motte – jeder muss eine Pie essen, das gehört dazu, sonst war man nicht dabei. War dann aber etwas beruhigt, als ich gemerkt habe, dass die anderen auch alle eine Pie bestellt haben. Das sind kleine Teigtaschen mit heisser Hackfleischfüllung. So ein Ding zu essen ist nicht ganz einfach. Man beisst vorne rein – erster Schock, das Hackfleisch ist am Kochen und die Pie ist kalt – typisch Mikrowelle halt. Und dann platz die Pie irgendwann hinten auf und man hat die ganze Sause auf den Schuhen. Aber das geht den meisten so. Musst mich also nicht auslachen lassen.Schiri wir wissen wo dein Auto steht, fahr Bus und Bahn, fahr Bus und Bahn

Was ich allerdings seehr lustig finde Ausser in Australien gibt es nur noch in England zwei Teams die nach diesen Regeln Football spielen. Und nun ratet mal wer Weltmeister geworden ist HAHAHA das hat die Australier natürlich tief in ihrem Stolz getroffen das die Engländer tatsächlich die WM gewonnen haben. Fast so lustig wie die Tatsache, dass Deutschland 2003 Weltmeister im Elefantenpolo geworden ist und die Inder geschlagen hat.

Inzwischen war ich schon auf meinem zweiten Spiel. Das war im Telstra Dome – St.Kilda gegen Adelaid Crows. Der Dome hat wieder eine ganz eigene Atmosphäre weil er ein geschlossenes Dach hat und da die Stimmung irgendwie dichter ist. Und da das Footi Bier nur 1,5% hat kann man auch pro Quater eines Trinken – gar nicht so schlecht, besonders für den Umsatz. Habe mir dann auch einen Schal zugelegt um mein neüs Team zu unterstützen. Der hängt jetzt hier an der Wand und will regelmässig ins Stadion – schon wieder ein Grund mehr zum Footi zu gehen.

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