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Hallo zusammen,

Ich war beim Snowboarden – und damit meine ich nicht im Februar – ich spreche vom Wochenende. Und zwar hier in Down Under. Die haben hier zwar keine Berge aber so was wie fortgeschrittene Hügel. Das hören die zwar nicht gerne, aber das Gebirge hier ist so ziemlich mit dem Schwarzwald zu vergleichen – nur das man die kurvigen Strassen auf der linken Seite fährt. Das Skigebiet heisst Falls Creek (www.fallscreek.com.au)

Die Gladiatoren, Nebelkämpfer, Boarderprofis :-)
Begonnen hat das ganze Abenteuer schon am Freitag. Wir sind extra ein wenig früher von Arbeit verschwunden um die Boards noch wachsen zu lassen bevor es so richtig losgeht – und ich bin naiver Weise wieder auf den Trick hereingefallen „ist ganz in der Nähe. Wir, das sind mein Kollege Darren und ich, also eine Stunde durch Melbourne, was Global gesehen wirklich nicht weit ist – man könnte von Karlsruhe aus nach Mannheim fahren. Der Laden war dann auch wirklich das Wintersportparadies. Ich bin mir nicht sicher ob man Krämerladen sagen kann oder vielleicht Winterbastelladen? Hat einer von euch schon mal einen Skisack aus Jute gesehen? Sonnenaufgang in den "Hügeln"Eigentlich wollte ich mein Board nicht aus der Hand geben. Aber eine nette Junge Dame hat mir lange versichert das hier immer mal wieder ein Board gewachst wird. Ich wollte fragen ob es Berichte über Opfer gibt – aber Darren hat mich gebremst und mich aus dem Laden geschoben um Schneeketten zu organisieren. Hört sich nach Berg, Eis, schneebedeckten Strassen an – ist es aber nicht. Die Berge hier sind ein wenig änderst als in Europa. Hier muss man Eintritt für den Berg bezahlen und es ist Pflicht Schneeketten dabei zu haben – auch im Sommer, also im Winter, also wenn halt 30 Grad im Schatten sind – denn Berge, oder hohe Hügel sind unberechenbar. Ich habe dann auch bald gemerkt was es damit auf sich hat. Man stelle sich einen grossen Wagen mit Hinterradantrieb vor, der mit seinen für Australien üblichen 300 PS auf Sommerreifen versucht einen nassen Hügel hochzufahren – lebensgefährlich. Ich habe mein Board dann ein paar Singapurnudeln später wieder in Empfang nehmen können – und war überrascht – ich hatte recht, es ist ein Bastelladen. Die haben einfach mal eine Hand voll Wachs auf erhitzt und dann vermutlich unter Aufsagen von mysteriösen Formeln und bei Rotlicht mit einem Tefal Bügeleisen Baujahr 1969 die heisse Masse einwirken lassen. Zum Glück wollten die nicht wirklich viel Geld so das ich nicht aus dem Anzug fahren musste. Daheim also erst mal in die Garage und das Bord abgeschabt und auf Vordermann gebracht. Bei Darren habe ich das Wachs auf den Kanten gelassen – man will ja auch was zu lachen haben.

Darren auf dem Gipfel von Falls CreekAlso früh ins Bett und früh wieder raus – einem wunderbar sonnigen Tag entgegen. Die Berge sind ca. 500km weit weg – also gerade noch in Reichweite für einen Wochenendtripp. Ich habe dann auch viele deutsche CDs mitgenommen und Darren mit Herbert Groenemeyer gequält – und das in seinem Auto. Aber er hat’s mit Fassung getragen denn er war ja mitten im Rennen. Ja – wir waren das Verfolgerteam im roten Trikot. Etwa zehn Minuten vor uns waren die Beiden anderen Freunde Chris und Lachlan unterwegs und haben uns mit nervigen SMS versucht fertig zu machen. Habe mein Repertoire an englischen Schimpfworten auf dieser Fahrt glatt verdoppelt. Das Rennen war deswegen so spannend weil man auf den Highways ja nur 100 km/h fahren darf. Es ging also eher darum wessen Tacho genauer ist – und wir haben nicht gewonnen. Erst haben wir eine falsche Abzweigung genommen, dann mussten wir tanken und dann ist uns die Karre am Berg überhitzt. Muss man sich mal geben. 300PS und an einem Hügel wegen Hitze draufgegangen. Hat uns um fast eine Stunde zurückgeworfen. Der gleiche Darren im NebelAls wir dann endlich angekommen waren standen wir mitten im Nebel an einem Sessellift der deutlich älter ist als ich. Dementsprechend langsam ist der dann auch den Berg hochgezuckelt. Kam so etwa ins Verhältnis 3 Minuten Abfahrt – 12 Minuten Lift. Dafür war fast keine Menschenseele da – oder ich hab die nur nicht gesehen wegen dem Nebel. Und da wir ja nur auf einem Hügel waren gab es auch keine Hoffnung das die Bergspitze vielleicht Sonne hat. Und es gab noch ein anderes Problem auf das ich ziemlich schnell gestossen bin – und auch hart – und auch ziemlich schmerzhaft. Das lief in etwas wie folgt ab: Ich den Berg runter voraus, weiss auch nicht genau warum, denn ich kenne den Berg schliesslich am wenigsten, aber irgendwie haben die anderen mich zum Führer auserkoren – als ich den Baum getroffen habe, wusste ich plötzlich auch warum. Hinter mir Chris und Darren. Lachlan als letzter. Mir ist der Ast voll vor den Latz geknallt. Durch Geschwindigkeit und Masse habe ich den Ast zur Seite gebogen – und der ist natürlich zurückgeschneppert. Chris, der kleiner ist als ich, hat ihn vor den Kopf bekommen und ist rückwärts umgefallen. Darren ist um Chris herumgefahren – leider in die falsche Richtung – und hat den Baum geküsst. Von Lachlan weiss ich nichts, aber ich habe die ganze Zeit so ein dumpfes Lachen aus dem Nebel gehört. Hier stehen überall Bäume auf der Piste im Nebel rum – von den kleinen Bächen ganz zu schweigen.Das Psycho Motel Wir waren also alle etwas lädiert und frustriert als wir am Abend in unser gemütliches Motel gefahren sind. Und unten war natürlich ein wunderbarer Sonnenuntergang zu sehen. Das Motel sah dann auch aus wie in Hitchcocks Psycho und war bestimmt auch genau so alt. Aber die Dusche war nicht in der Badewanne und es wollte mich auch keiner killen. Vermutlich weil mir der Koffer mit dem Geld fehlt – aber das ist eine andere Geschichte. Nach der Dusche sind wir dann Down Town um zu sehen was das Apre Ski am Samstag abend in Australien zu bieten hat. Die erste Kneipe war mit etwa vier Leuten besetzt und hatte nix zu essen auf der Karte. Die zweite Kneipe – welche zweite Kneipe? Die Kaeffer hier haben den schönen Namen „One Pub Town“ und der Name ist Programm. Wir also fünf Kilometer ins nächste Kaff. Dort gab es ein Jugendheim mit Kirche, Theater, Begegnungsstätte und alles in einem. Eigentlich wollten wir weiter ins nächste Kaff in der Hoffnung doch noch was essbares zu bekommen – aber da hätten wir eine Stunde fahren müssen. Es gibt nicht so arg viel Kaeffer in Australien. Wir also ein Hühnerschnitzel mit Himbeersirup vertilgt. Was anderes war nicht zu bekommen, denn der Laden hatte keine Alkoholerlaubniss, und der Koch kann nur Schnitzel. Mir hat’s irgendwie gefallen Habe ich schon erwähnt, dass nur so um die zehn andere Leute da waren? Apre Ski = vergiss es! Ich habe mir dann von Darren die Regeln für Cricket erklären lassen – konnte sie mir aber nicht wirklich merken. Australien spielte gegen England – ist aber nicht so wichtig das Spiel zu verfolgen. Es wird ja den ganzen Tag, also 10 Stunden gespielt, und das fünf Tage lang, und dann auch noch fünf Spiele. Wer gewonnen hat steht also erst ende August fest. Spannend, was? Ein guter Grund früh ins Bett zu gehen.

Auf dem Gipfel gegen den SturmDer Sonntag war dann ziemlich vergleichbar mit dem Samstag. Wir Morgens auf den Berg und in der Kneipe am Lift gefrühstückt. Natürlich gabs wieder nur Australische Frühstück – ich glaube mir wäre schlecht geworden, so dass ich mich mit einem Muffin begnügt habe und mir die Trockenübungen der Japaner anschauen konnte. Die haben noch nie auf Ski gestanden und mitten in dem Café Trockenübungen fürs Pflugfahren veranstaltet. Alleine das war die Reise schon wert. Der Nebel war noch dichter als Samstag und ein kalter Wind kam hinzu, der uns den Berg fast wieder hinaufgeblasen hat. So sind wir dann auch schon um eins wieder gefahren da wir die Nase voll hatten. Zwischenzeitlich haben zwei noch mal einen Baum geküsst, wir haben uns verirrt und sind mitten im Dorf herausgekommen, hätten den Lift fast verpasst und in den See gefahren etc. Wir waren uns einig. Und so haben wir den Tag mit Bier, Pizza und DVD bei mir ausklingen lassen.

Ich werde aber bestimmt wieder hingehen, denn es ist das beste was man bekommen kann – und ich hatte viel zu lachen. Das nächste mal mach ich ein Video von Japanern im Nebel und gewinne den Australischen Photographen Titel für a) Alien Erscheinungen b) Massenepilepsie c) unbekannte Tierarten – eines von diesen.

Ich habe übrigens Muskelkater im linken Arm. Das Handgelenk spielt locker mit, aber ich habe einfach noch keine neuen Muskeln aufgebaut - vielleicht ist Boraden da gar nicht schlecht.

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