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  Heute geht’s um Pferde – grosse Tiere mit vier Füssen – keine natürlichen Einwohner von Australien, und Karneval in Melbourne. Oder wenn man es genau nimmt beides zusammen. Was man hier unter Karneval versteht deckt sich nicht ganz mit der Deutschen Version von verkleidet durch die Strassen rennen und Spass haben – hier geht man gekleidet zum Pferderennen um Spass zu haben. Das ganze geht 50 Tage am Stück, und es werden viele Pferde aus Übersee eingeflogen (first class versteht sich) denn es geht um Preisgelder von über 25 Mio AUD.
Ich war ja noch nie auf einem Pferderennen. Erstens habe ich die Viecher früher eher als Konkurrenten betrachtet, denn die Mädels haben immer viel mehr von den Pferden geschwärmt von mir. Zweitens habe ich ziemlich viel Respekt vor diesen grossen Tieren, und drittens konnte ich mir einfach nicht vorstellen was daran so toll sein kann einem Haufen Pferde beim Wettlaufen zuzusehen. Ich gehe ja auch nicht zum Hunderennen – zum Kamelrennen würde ich allerdings dann doch gehen.
Aber hier in Melbourne ist das die absolute Spasszeit des Jahres wenn man den Leuten so glauben kann – und es gibt einen extra Feiertag nur für das Hauptrennen. Also muss man da ja mal hin. Und da ich ja von Darren schon aufgeklärt wurde wie ich am schnellsten mein Geld verwetten kann war ich ja auch prima vorbereitet.
Angefangen hat alles mit einem Plan – wir gehen nach Caulfield, nach Cox, aufs Derby, zum Cup und nach Oaks ?? Na dann mal los – ich mir gleich mal noch einen Tag Urlaub nehmen müssen, denn eines der Rennen ist mitten in der Woche – aber es soll ja schliesslich auch ganz toll sein. Und so bin ich dann zu meinem ersten Rennen am 15.10.05 auf die Rennbahn von Caulfield.
Zum Thema verkleiden – auf der Rennbahn herrscht Anzugspflicht und für die Damen feine Garderobe – no Jeans, no T-Shirt. Ich habe mich also wie jeden Tag in meinen Anzug geworfen – aber die Harre nicht gekämmt (bin halt ein Rebelle ) und bin mit Darren gestiefelt und gespornt im Taxi zur Rennbahn, die übrigens mitten in der Stadt liegt und nur vier Kilometer weit von meiner Wohnung weg ist. Die Sonne schien uns ins Gesicht – und da kam mir der Gedanke, dass Sonnencreme manchmal keine schlechte Idee ist - die Vöglein sangen und es ging ein lauer Wind. Der Eintritt zur Rennbahn ist nicht ganz günstig – so ca 30 Euro – aber damit haben wir gerechnet. Habe mir auch ein Spielbudget von 200 Dollar eingeräumt. Wenn dann richtig. Da ich aber immer noch jeden Tag zur Arbeit gehe, kann ich wohl nicht wirklich reich geworden sein. Und so stand ich dann auf dem Rasen vor der Haupttribüne und habe das breite Grinsen den ganzen Tag nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. So viel gutgekleidete Frauen habe ich persönlich noch nie gesehen (man bemerke – ich habe nicht gutaussehend gesagt).
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Es war – nicht schlecht – wie der Australier sagen würde. Wir also erst mal zur Bierbar (die Schlange dort hat am Mittag eine Länge von 200 Meter und eine Anstehzeit von 45 Minuten erreicht) und uns mit lebensnotwendigem Flüssigkeitsausgleich eingedeckt. Dann zu den Buchmachern und die Quoten geprüft. Es gibt ziemlich viele kleine private Buchmacher die mit Minniständen die eigentlich nur aus Anzeigetafeln bestehen die Spieler mit den unterschiedlichsten Quoten (odds) versorgen. Es lohnt sich also die Runde zu machen und zu prüfen wer die besten Quoten für das favorisierte Pferd hat. Ich kam mir ein bisschen vor wie beim organisierten Glücksspiel in „der Pate“. Darren hat mich dann auch noch mit den richtigen Codes versehen um eine Wette abschliessen zu können. „now, Nr.4, 10 $ both ways. Dann gibt man dem so genannten Boocki 20$ ?!
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und schon kann man gewinnen. Ich habe den ganzen Tag gewettet und war gar nicht schlecht. Am ende hatte ich nach Abzug aller Kosten noch stattliche 150$ Gewinn gemacht. Na da kann man doch gleich mal zum Spieler werden. Die Aussies trinken den ganzen Tag in der Sonne viel zu viel Alkohol, so das es gegen Mittag eher ein Happening als ein Pferderennen geworden ist, und viele hatten auch ihre eigenen Picknick Körbe und Futtersachen mitgebracht. Fand ich ja irgendwie auch interessant das so was erlaubt ist. Natürlich war auch die ganze HighSnobiety anwesend, aber die hatten natürlich alle ihre VIP Bereiche in die man als kleiner Normalsterblicher nicht reinkommt. Es wurden angeblich mehr als 60 Mio $ an dem Tag verspielt. Da fällt mein kleiner Gewinn nicht wirklich ins Gewicht. Am abend haben mir dann die Beine (der Badener würde hier Füsse sagen) weh getan vom ständigen pendeln zwischen den Boockies und der Rennbahn und dem Stehen, den Sitzgelegenheiten gibt es keine – ausser dem Rasen. Aber ich war ziemlich zufrieden mit dem Karneval in Melbourne. Zu guter letzt hat sich auf dem Rückweg im Zug noch mein Nachbarin auf ihren Freund übergeben und mir den Anzugskittel versaut, aber auch das konnte meine gute Laune nicht trüben – sind halt nix gewohnt die Aussies.
Am 29.10. sind wir dann zum Derby gegangen. Das findet auf einer anderen Rennbahn statt die auch ziemlich mitten in der Stadt ist aber auf der anderen Seite wenn man es mal von meiner Wohnung aus betrachtet. Das Rennen ist noch weit grösser als Caulfiedl, von der Anlage her, von den Besucherzahlen, aber auch vom Preisgeld. Immerhin können hier die Siegerpferde 4,2 Mio $ mitnehmen. Das Derby ist nur für Pferde im Alter von 3 Jahren. Das macht das Rennen ziemlich spannend, da die Pferde alle ziemlich gleich gut sind. Macht aber das Wetten um so schwieriger. Habe diesmal 100$ Verlust gemacht. Das Wetter war ziemlich zweifelhaft – windig und bewölkt. Es hat aber nicht geregnet. Die Damen waren auch wieder ziemlich schick, aber nicht so kunterbunt wie in Caulfiedel – das Wetter hat dann doch eher zu robuster Kleidung aufgefordert. Was mir besonders gefallen hat war die Modeschau die durchgeführt worden ist. Eine Kleiderfirma hier hat 300.000 $ für die am besten gekleidete Dame ausgeschrieben. Da ist dann alles was auch nur annähernd eine Chance hatte auf den Laufsteg gegangen um sich zu präsentieren. So konnte man ich in aller Ruhe mal ansehen was die Dame von Welt zum Pferderennen trägt. Und das ist manchmal nicht unbedingt viel. Auch die Hüte waren wieder super und einige Damen hatten sogar die Schuhe selber gemacht.
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So werde ich nun noch den Rest des Kanrevall begehen – den Melbourne Cup am Feiertag und den Oaks Day am Donnerstag. Also eine ziemlich zerrissene Woche – mit hoffentlich gutem Wetter und viel Spass.
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