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Panoramamelb02

The Storeroom “Construction of the human heart”

Theater "The Storeroom"Ich war auch noch in einem kleinen Theater am Rande der Welt. Bin mal wieder zu meinem Lieblingsdealer für Eintrittskarten und habe mich nach den heissesten Deals erkundigt. Mein Dealer wohnt im Rathaus und hat leider immer nur bis um vier geöffnet – und bisher bin ich mit seinen Karten immer in die Konzerte gekommen. Der Laden nennt sich Half Prize Tix und verscherbelt die Karten für Veranstaltungen am gleichen Tag, oder am Wochenende auch für den Sonntag meist zum halben Preis. Da kann mans nicht für selber machen. Er hatte dann auch einiges im Ärmel, aber ich hatte mit der Auswahl mal wieder so meine liebe Mühe. Eigentlich wollt eich ja in Carmen gehen – also ich meine damit die Oper, nur so am Rand bemerkt – aber war leider schon ausverkauft. So habe ich mich kurz entschlossen für ein Theaterstück entschieden. Die zwei Gentleman – hört sich doch nicht schlecht an, und ist im Melbouren Majestic Theater. Aber kurz bevor ich mit dem Ticket kaufen an der Reihe war hörte ich ein leises Klopfen. Ich kenne dieses leise Klopfen – das kommt wenn einem das Gehirn etwas ungefragt mitteilen will. Ihr kennt das bestimmt, z.B. wenn man ohne Schlüssel aus dem Haus geht. Wenn die Türe zu ist und man gerade froher Dinge auf dem Weg ist kommt dieses Klopfen was da mal nix gutes verspricht. Ich also wiederwillig meinem Hirn Redeerlaubnis erteilt und die Info erhalten, dass ich doch in England schon mal im Theater war und es mir nicht wirklich gefallen hat. Mag daran gelegen haben, dass ich kein Wort verstanden habe. Irgend jemand sollte Shakespeare halt mal ins Englische übersetzen. Ich also meinen Dealer gefragt ob das Theaterstück zufällig von Shakespeare ist – und siehe da – natürlich, von wem auch sonst. Also nix mit dem Theater. So habe ich dann einfach mal gefragt was er den zu letzt gesehen hat und gut fand. Und so bekam ich ein Ticket für 8 Dollar in die Hand für ein Theaterstück mit dem schönen Namen „Construction of the human heart“. Man muss sich neuen Dingen halt mal stellen. Das Theater war ausserhalb vom Stadtzentrum in North Fitzroy. Ich also heim um mal nachzusehen wo ich denn da hin muss und wie ich am besten fahren kann. Zu meinem Unmut habe ich da feststellen müssen, das ich quasi direkt wieder los kann um eine Straba zu erhaschen die fast eine Stunde durch Melbourne gondelt bis zu dem Theater. Ich also losgespurtet um die Tram noch zu bekommen – und natürlich den bekannten Fehler gemacht. Ich dachte ganz schlau – lass uns doch ne Abkürzung nehmen. Leichter gesagt als getan wenn man sich in seiner eigenen Umgebung noch nicht auskennt. Und so bin ich dann fleissig die Strassen rauf und runter gegangen und kam natürlich wo völlig anderes raus als ich eigentlich dachte. Da mir dann zu wenig Zeit blieb um die Tram noch zu erhaschen habe ich nach dem nächstbesten Taxi gepfiffen. Das hat dann nicht nur das Taxi, sondern auch einige nette Junge Damen in sehr aufreizender Kleidung auf den Plan gebracht. War wohl in eine eher rötliche Seitenstrasse geraten. Aber das Taxi hatte zum Glück tatsächlich grad nix besseres vor als mich aufzugabeln. Der nette Indische Taxifahrer hat mich dann auch höflich gefragt. Wherrrrr du ju wanterrrrr go. Ich habe die Adresse drei mal runtergebetet und ihm fünf mal gesagt wie das Theater heisst. Am Schluss habe ich ihm das Ticket in die Hand gedrückt und auf die Adresse gedeutet. Leider war immer noch kein Hauch von erkennen in seinem Gesicht. Er hat dann erst mal den Strassenatlas herausgeholt – na prima, noch einer der sich nicht auskennt. Hatte keine Lust zwei mal in einer Stunde in Melbourne verloren zu gehen. Aber gemeinsam haben wir die Strasse dann gefunden.
Construction of the human heart
Ich wusste ja etwa wo es war und konnte auch da freundlich auf die Karte deuten – und siehe ein hauch von Erkennen. So sind wir dann durch die verregnete Nacht in Melbourne umhergeirrt auf der Suche nach einem Theater von dem der TaxiInder (quasi Inder Inside) noch nie was gehört hat ein seinen ganzen zwanzig Jahren die er nun schon Taxi fährt, denn seine Familie kam schon vor langer Zeit nach Melbourne und seine Tochter ist nun wieder nach Indien ..... etwa die halbe Indische Geschichte weiter durch die Stadt sind wir dann an der Adresse auf der Eintrittskarte angekommen. Nur war kein Theater da. Sollt mir mein Dealer dies mal doch den schlechten Stoff verkauft haben? Ich also raus aus dem Taxi und erst mal die Strasse in beide Richtungen abgelaufen. Nichts zu sehen. Also habe ich ein paar Mädels angesprochen die aus einer Kneipe kamen. Die wollten erst weglaufen als sie mich mit dem Zettel in der Hand aus der Dunkelheit kommen sahen (hätte mich doch rasieren sollen) sind dann aber doch stehen geblieben und konnten mir sogar sagen wo ich hin muss. Nämlich in das Hotel am Eck, das zufällig genau die Adresse der Eintrittskarte hat, aber keinen Hinweis auf ein Theater. Ich solle durch die Empfangshalle in den Speisesaal und dann die Tür in der linken Wand. Also gut. Wenn das eine verarsche ist, und sie könnte durch auch von mir kommen, dann muss ich da halt durch. Ich also ins Hotel und tapfer an allen Kellnern durch in den Speisesaal und durch die Tür in der Linken Wand. Immer noch kein Schild und nix. Treppe hoch, und in einer Art Disco gelandet ??? Also gleich mal das Mädel am Mischpult gefragt ob ich denn nun richtig bin, oder was? Tja schon fast, aber ich muss noch durch die andere Tür und dann den Gang entlang. Ich war wirklich am überlegen ob ich das Theaterstück sehen will. Vielleicht suchen die ja Herzspender? Aber hinter der Tür bin ich dann in einen kleinen gemütlichen Raum gekommen der auch wirklich so was wie eine Kartendame beherbergt hat. Und die urigsten Gestalten die man sich so vorstellen kann. Vom Steifen Opa im Nadelstreifenanzug über eine Strickende End-Dreissigerin mit Wollmütze und Birkenstock zu zwei kichernden Mit-Zwanzigerinnen. Die Figuren mit den Krokodil-stiefeln und den Peruecken will ich gar nicht beschreiben. Es war einfach grandios. Ich hätte in dem kleinen Raum stehen bleiben können und die Leute beobachten und es wäre schon jeden Heller Eintritt wert gewesen. So richtig zwischen steifen Akademikern und alternativen Tussis die volle Bandbreite. Nach etwa zehn Minuten wurde dann auch das Theater geöffnet. Einen weiteren Gang hinunter und durch eine Tür in einen kleinen Raum. Am rand waren Stuhlreihen angebracht wie mann sie aus dem Kino kennt. So etwa Fünen Reihen auf verschiedenen Etagen. Können wohl so um die hundert Leute rein. Wir waren aber nur so um die vierzig Leute. Ich habe mir dann gleich mal einen guten Platz für meine Langen Füsse gesucht und mich direkt in den Eckgang gesetzt der Schräg nach oben zu einer kleinen Sprecherkabine hinaufführte. Und schon ging das Theater los – aber nur für die anderen. Ich habe mich nämlich so richtig lässig in die Sitzreihe geschmissen, und bin mit samt Sitzreiche nach hinten umgefallen. Da hatten die wohl die Sitze losgeschraubt um was grösseres durch den Gang zu bringen, und vergessen die wieder festzuschrauben. So hatte ich das erste Gelächter mal auf meiner Seite und musst den Platz verlegen auf die andere Seite vom Gang. Von da hatte ich auch einen guten Blick auf das Geschehen. Bühne kann man eigentlich nicht sagen, denn in dem Raum gab es nur zwei Stühle – nicht mal eine Erhöhung oder so – einfach nur ebenerdig Zimmerboden und zwei Stühle. Auf die haben sich dann auch zwei Schauspieler gesetzt und den ganzen Abend ihre Geschichten um das auf und ab und wohl und weh des menschlichen Herzens erzählt. War ganz grosse Klasse. Hat mir wirklich sehr gut gefallen. War halt mal was Anspruchsvolles – ist doch toll in einer so grossen Stadt zu leben wo solche kleinen Bühnen ihr Publikum finden. Ich werde bestimmt wieder hingehen. Auch wenn ich auf dem Rückweg durch den Speisesaal in einer Geburtstagsparty gelandet bin, da konnte ich gleich noch ein Glas Sekt abstauben.
www.thestoreroom.com.au

The Art Center “Hitchcock Blonde”Blonde

Am Samstag war dann Ausschlafen und runter an den Strand die Nase in die Sonne halten und Kuchen essen. Das nenne ich Leben. Und dann ab in die Stadt zu meinem Karten Dealer um mir mal wieder guten Stoff zu besorgen. War auch eine ganze Menge geboten, so das es mir wirklich schwer gefallen ist was herauszusuchen. Ich bin dann nach den Warnhinweisen gegangen. Ihr kennt das von den Getränken? Wenn man sich nicht entscheiden kann, dann schaut man einfach mal wieviel Alkohol drin ist – kennt ihr nicht (uhps) Ich also in ein Theaterstücke mit: Nur für Erwachsene, Harte Sprache, Gewaltdarstellung auf der Bühne, Rauchen auf der Bühne, Nacktheit auf der Bühne – und die Aussis meinen das absolut ernst – das ist kein Marketing Gag. Das steht direkt unter dem Symbol das auch Rollstuhlfahrer Plätze haben. Naja und dann mag ich halt auch die alten Hitchcock Filme – also habe ich mich für „Hitchcock Blonde“ entschieden. Dachte auch wie immer ich hätte noch genügend Zeit, denn ich hatte extra auf dem Stadtplan schnell die Adresse des Theaters nachgeschaut – bei mir ziemlich um die Ecke, kann man also hinlaufen. Ich also heim um mich für den Abend aufzubrezeln. Am Wochenende sieht das dann etwa so aus, das ich ganz normale Büro Klamotten überwerfe, mich rasiere, aber die Krawatte und die Manschettenknöpfe weglasse – also eher noch die abgespeckt Version. Und dann an den Kleinigkeiten hängen bleiben. Man könnte ja die Schuhe mal wieder schwärzen – dumm wenn man dabei ein weisses Hemd an hat – also Hemd wechseln – dabei feststellen, das beim zweiten Hemd der oberste Knopf abgegangen ist (Bekomme auf Arbeit öfter mal einen dicken Hals – dann muss der Knopf halt dran glauben) normalerweise kaschiere ich das in dem ich die Krawatte etwas enger ziehe – aber ich wollte ja keine Krawatte anziehen. Also versucht das weisse Hemd zu waschen – ist ja nur der Ärmel. Hätte bestimmt auch geklappt, aber natürlich kein Waschmittel mehr in der Tube. Was solls – einfach einen Kittel drüberwerfen und keiner sieht’s mehr – und drei neue weisse Hemden auf den Einkaufszettel setzen. Nun war es ja schon ein wenig spaet geworden und so musste ich im guten, alten Stechschritt Tempo machen um noch rechtzeitig zum Theater zu kommen. Irgendwann hat dann mein rechter Schuh angefangen mit Quietschen – wenn einer von euch weiss wie man das Abstellen kann, dann lasst es mich wissen – es ist nämlich ziemlich uncool in schnellem Schritt quietschend durch die Stadt zu laufen. Ich bin noch gar nicht an dem Punkt wo ich Quietschend ins Theater schleiche. Vorher hatte ich noch ein paar deja vues die über mich hereinbrachen. Es war nämlich kein Theater unter der angegebenen Adresse zu finden. Und diesmal war es auch kein Restaurant mit Hintertreppe. Es war ein Möbelladen und der war ziemlich gut verschlossen. Ausserdem kam mir das auch nicht wirklich wie das Melbourne Arts Center vor, aber manchmal übertreibt die Werbung ja ein wenig. Ich also wieder nach einem Taxi mit Inder Ausschau gehalten um gemeinsam auf Theatersuche gehen zu können. Und nie ist einer da wenn man ihn braucht. Nach einigen Minuten, und manchmal hätte ich gerne auf Arbeit diese Minuten –das sind die die so unheimlich langsam vergehen – in denen man den Sekundenzeiger Minutenlang betrachten kann bevor er weiterspringt, kam dann auch ein Taxi. Diesmal kein Inder sondern ein Australier aus Perth. Kann man als Inder durchgehen lassen

Und von ihm habe ich dann auch etwas neues gelernt also eigentlich wusste ich es schon, aber nicht in dem Massstab. In Australien ist ja alles nur zwei Strassen weit weg. Was ja daran liegt, das Strassen wie der Princes Highway so ca. 4000km lang sind. Deshalb muss man ja auf den Adressen immer das Bundesland mit angeben, und die Stadt – und für mich neu – auch den Stadtteil. Die Australier fangen nämlich eiskalt neu mit Zählen an wenn man den Stadtteil wechselt. So gibt es die Adresse von dem Theater immerhin drei mal in Melbourne. Dumm ist halt, das man nicht gesagt bekommt wo die Stadtteile anfangen und aufhören – das muss man wissen. Mein Theater war mitten in der Innenstadt, direkt neben dem Federationsquare und Southbanks. Und damit es auch der letzte noch findet hat man einen völlig unnötige Eifeltumkonstruktion aufs Dach gezimmert die Nachts leuchtet. Ich also dem Taxifahrer gesagt er bekommt gutes Trinkgeld wenn wir es noch in der Zeit zum Theater schaffen und darauf gewartet das dieser nun den geheimen Knopf drückt mit dem sich das Auto in einen Strassenrennwagen verwandelt und wie ein Irrer durch die Stadt heizt. Das kann man in Italien machen – der Australier schaut dich nur an und sagt „no worries, Mate“ und kurvt in aller Ruhe vor sich hin. Wir haben es aber doch noch einiger massen in der Zeit geschafft und er hat auch Trinkgeld bekommen – schliesslich braucht man ja Startkapital wenn man sich ein Renntaxi anschaffen will. Ab ins Theater hinein – also ins Melbourne Arts Center. Und mitten in die Ausstellung „Zirkus in Australien“. Das ist ja als solches ganz lustig, denn es gibt in Australien nur einen Zirkus. Macht bei fünf Städten ja auch keinen Sinn mehrere zu haben – aber ich wollte doch ins Theater. Irgend ein schlauer Architekt hat sich überlegt – wenn wir ein ArtCenter Bauen und eine wunderbare Ausstellung haben wollen – dann sind Theater doch im Weg. Und hat diese einfach unter die Erde verlegt. Ich also drei Etagen tiefer gerannt und gerade noch rechtzeitig aufgeschlagen um noch eingelassen zu werden. Dummerweise gibts im Theater ja keine Werbung wie im Kino, wo man prinzipielle eine viertel Stunde später kommen sollte. Und dann an allen Leuten vorbei auf meinen Platz gequietscht. Das Theaterstück war dann auch ganz lustig. Am Anfang habe ich nicht viel verstanden. Es ging um einen Professor für Filmirgendwas und eine Studentin. Am Anfang haben die sich in englischem Univokabular über die Psychosoziale Komponente in Hitchcocks Spätwerken unter dem Einfluss der Filmtechnik im Wandel unterhalten. (Ich hab’s echt nicht getscheckt – aber wer hat das Wortspiel PSYCHOsozial bemerkt?) Das Theaterstück drehte sich darum, das Hitchcock als erster Produzent einfach aus Spass mal eine Frau in der Dusche tötet – eine blonde Frau. Mir ist zum ersten mal aufgefallen, das es sinn macht in Schwarz/Weiss filmen Frauen mit Blonden Harren zu haben um sie als Hauptfigur hervorzuheben. Es gab auf jeden Fall noch zwei tote (und ziemlich nackte) Frauen auf der Bühne – mir hat’s gefallen
www.mtc.com.au/whatson.aspx?eventID=65

 

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