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Weihnachten und Neujahr in Australien.
Also die Australier feiern ja auch gerne – und meist bei BBQ. Das ist an Weihnachten besonders passend, denn das liegt hier ja mitten im Sommer und so auch in den Sommerferien. Da kann man also mit der ganzen Familie an den Strand. Dort sind dann auch genügend Plastik Weihnachtsbäume und dekorierte Palmen um für ein wenig Stimmung zu sorgen. Beleuchtet ist übrigens nichts – macht ja auch keinen Sinn wenn die Sonne erst so gegen zehn Uhr untergeht. Tradition hat hier eigentlich recht wenig. Es gibt keine Weihnachtsmärkte, kein Glühwein, keine Plätzchen, keine richtigen Tannenbäume und auch kein Kaminfeuer. Es gab aber ein ChrissGringle - was bei uns so vielleicht mit Wichteln übersetzt werden könnte - also jeder zieht einen Namen und kauft dem dann was für unter zehn Dollar um es am letzten Arbeitstag aus dem Hut ziehen zu können. Ich habe einen Kollegen gezogen den ich gar nicht kannte - habe mir aber Mühe gegeben und ihm einen Rubiks Snake gekauft - so was wie der alte Zauberwürfel nur ein wenig cooler. Ich habe einen Sixpack Bier bekommen in einer schicken Safeways Tüte - so viel zur Weihnachtsstimmung. Dafür haben die Shopping Center die ganze nacht lang offen, also 24h, was mir als last Minute Geschenke Käufer ja eigentlich entgegen kommen sollte. Ich bin dann auch um kurz vor fünf Uhr morgens zu meinem Lieblings Shoppingcenter um mal zu sehen was da so los ist. Und es waren immer noch eine ganze Menge Leute da.
Dafür gibt’s an Heilig abend jedes Jahr eine live Event in Malbourne „Charols bei Candlelight“. Das wir dann auch im Fernsehen in ganz Australien übertragen. Man hat ja Heilig Abend nix zu tun da die Geschenke hier ja am ersten Feiertag morgens ausgepackt werden. Ich habe mich also mit Christine verabredet um dort hin zu gehen. Christine ist eine deutsche Studentin hier in Melbourne und hatte dementsprechend auch mal gerade keine Verwandtschaft zum besuchen parat. Mit ihr habe ich auch schon vor zwei Wochen an einem lustigen Abend Weihnachtsbrötchen gebacken. Sind eigentlich auch ganz gut geworden (Zimmtsterne und Vanille-Gipfer - Tradition verpflichtet) Ich habe also im Internet recherchiert und gesehen, dass es keine Karten mehr gibt. Ist natürlich dumm gelaufen – aber die Kollegen haben mir gesteckt, dass man auch umsonst zuhören kann und die Veranstaltung auf Leinwand auch ausserhalb zu sehen ist. Also haben wir uns gedacht – die Chorals beginnen um fünf, da gehen wir um sieben mal hin um uns das Ende noch anzusehen und dann gehen wir gut essen und feiern den Rest der Nacht bei mir unterm Weihnachtsyucca. So viel zum Plan. Ich mich also in Anzug geschmissen – wir wollten ja wo gutes hingehen – und mit dem Auto in die Stadt. Da ist man doch deutlich flexibler. Die Charols sollten im Botanischen Garten sein wo eine Gr osse Konzertbühne steht. Und Christine wohnt ja auch mitten in der Stadt – passt also alles. Ich mal losgespurtet und mich gleich mal noch ein wenig verspätet. Habe noch ein paar kleine Geschenke für Christine organisiert weil ihr Päckchen alle noch nicht angekommen waren und ich ja nicht als einziger was auspacken wollte. In der Stadt habe ich mich dann ein wenig gewundert warum immer noch so viele Menschen in den Stadtpark pilgern –aber was Solls. Christine abgeholt und losmarschiert. Wir ha ben dann auch den Park gefunden (gross genug ist er ja) und auch die Leinwand mit der Übertragung. Nur leider lief da noch nix. Wir uns also erst mal auf die Wiese gesetzt (in den feinen Klamotten) und uns ein Programm gekauft. Da stand dann drin es geht um sieben los – ein Blick auf die Uhr sagte uns aber, dass es schon halb acht ist. Nun ja – also erst mal noch eine Kerze gekauft, schliesslich ist es ja bei Candlelight und fleissig die Lieder studiert von denen ich die meisten gar nicht kannte. Dabei ist uns dann auch klar geworden, dass diese Event ein wenig grösser ist als wir dachten. In diese Music Bowl Bühne passen immerhin 10.000 Menschen, und für die Übertragung ins ganze Land haben die eine ganze Menge Stars engagiert die auf der Bühne ihr bestes geben. Bis auf die Australian Idol Gewinner kannte ich aber trotzdem keine Sau. Wir also gewartet – der Himmel langsam dunkel geworden – der Wind langsam immer stärker geblasen – Christine schon am Zittern und Schlottern (ich auch, aber nur innerlich damits keiner merkt) denn es wurde plötzlich richtig kalt – und wir hatten ja kaum was an ausser Hemd und Kittel. Also haben wir und entschlossen einfach als erste die Kerzen anzuzünden und uns wie die Penner in der Bronx über der Flamme wenigstens die Hände ein wenig zu wärmen. Das wir tierischen Hunger hatten kam noch erschwerend mit dazu. Aber es sollte ja jeden Moment losgehe – und das bei einer Live-Üebertragung im Fernsehen??? Wie kann man da so unpräzise sein? Ich hab’s nicht herausbekommen. Auf jeden Fall wollten wir halt den Anfang noch mitbekommen – immerhin sassen wir ja nun schon neunzig Minuten im Gras um zwei Kerzen – ich musste irgendwie an die Weihnachtsgeschichte von dem Mädchen mit den Zündhölzern denken – wenn ich mich recht entsinne ist das dann doch erfroren? Na auf jeden Fall ging dann so um kurz nach neun irgendwann das Konzert los. Auf der Leinwand sah das echt super aus – ein Meer von Kerzen und eine festliche Bühne. Nun, das kann ja alles nicht so weit weg von uns sein? Also einfach mal den Berg hinter uns hochgelaufen und an den Zaun gestellt – und siehe da – man konnte über das Kerzenmeer bis zur Bühne sehen. Zwar war nix zu erkennen, aber das war ja nicht so wichtig. Schliesslich ging’s doch um die Stimmung und den Gesang. Jo und dann kamen die Polizeipferde den Hang hoch – und ich habe mich gleich mal ins Grass fallen lassen – vor lachen. Die hatten den Pferden doch tatsächlich rote Elchgeweihe aufgesetzt und Lamettaketten um die Sättel gehängt. Da sah die Blinkende Polizeibeleuchtung dann auch noch wie Christbaumlicht aus. Es war wirklich zum schreien komisch. Da konnten die Notärzte auf ihren Mountainbikes nicht mithalten. Zurück zum Gesinge – ich habe irgend wie nicht mitb ekommen wann wie welcher Song startet, denn die Affen haben sich nicht ans Programm gehalten. Und dann ist ja alles neu Vertont, so dass sich Jingle Bells plötzlich nach Hotel California angehört hat ?! Ich habe dann einfach lauthals die deutsch Version von dem Lied gesungen vom dich glaubte das es gerade lief – zum Leidwesen von Christine die sichtlich froh war das ein Zaun uns von den anderen Zuschauern trennte. Ja und was ist nun mit Essen? Ich mit dem Magen in den Kniekehlen – aber ja auch schon zehn Uhr durch und mitten am Singen. Also haben wir das Essen einfach ausfallen lassen und uns bei der Frittenbude am Eingang zwei Tüten Pommes und einen Falafel geholt. Die haben wir dann im Kerzenlicht am Zaun verspeist. Wer von euch hat jemals so ein uncooles Weihnachtsessen – ha – also ist es schon fast wieder obercool. Wir haben der Veranstaltung aber trotzdem nicht bis zum Ende beigewohnt. Es fing dann nämlich auch noch an mit regnen und die Hälfte der Lieder kannten wir sowieso nicht. Also waren wir dann so gegen halb Zwölf bei mir unterm Weihnachtsyucca und haben beim Klang einer Weihnachts CD die mir mal die Sparkasse Geschenkt hatte und einer Flasche Weisswein so richtig romantisch Weihnachten gemacht. Und zum Auspacken gabs ja dann auch für jeden was. Happy End
Und Sylvester? Das ist ja auch so ne Geschichte. Ich habe mir den Tag mal nix vorgenommen und fleissig an der Homepage gebastelt etc. Die Freunde und Kollegen waren alle im Urlaub oder sonst wo auf ner Party, so das ich letztendlich alleine da stand. Was aber in Melbourne ja kein Problem ist. Faul wie ich bin hab ich mich also so um acht Uhr auf in die Stadt gemacht und wollte erst mal im Belgischen Biergarten einen guten halben Hahn vernichten. Da ich ja nicht genau wusste wieviel von dem Belgischen Bier ich da vernichte und wie man nachts wieder nach Hause kommt etc. Habe ich mich auf mein Einrad geschwungen (Für die die es noch nicht wussten – ich habe sogar zwei Einräder – das heisst nicht, dass ich damit besonders gut fahren kann – es macht mir einfach nur Spass) Bin dann auch fleissig die Radwege und Bürgersteige entlanggeradelt und habe mich dabei fast mal noch verirrt. Wollte mal wieder eine Abkürzung nehmen die nicht ganz dort rauskam wo ich mir das so vorgestellt habe – aber es war dann doch kein allzu grosser Umweg, und schliesslich war ich ja mit dem Rad unterwegs. Die Australier sind übrigens genauso Witzig wie die Deutschen – musste mir eine ganze Menge Sprüche anhören: Na, wird das andere Rad für später aufgespart? Hat dir einer das zweite Rad gestolen? War ein ganzes Rad zu teuer? ...etc... Aber dadurch hat man ja dann auch Zusprache. Ich also beim Biergarten angekommen und vor verschlossenen Toren gestanden. Sommerferien HALLO ein Biergarten macht Sommerferien ??? das kann ja wohl nur mal wieder in Australien passieren. Ich also weiter in die Stadt geradelt und den Abzweig zum Kriegsdenkmal hoch. Habe noch überlegt ob man das wohl darf wenn es für Räder, Skater und Inliner verboten ist – aber von Einrad stand da ja nix. Oben angekommen habe ich einen leichten Schreck bekommen. Die ganze Treppe war schon mit Leuten besetzt da man von hier einen wunderbaren Blick auf die Stadtkulisse hat. Aber es war doch erst fünf vor neuen? Wenn da hier schon die Hölle los ist, wie schaut dass dann in der Stadt aus? Und während ich so dahin sinniere geht das Feuerwerk los – UM NEUN – hallo? Down Under? Was ist denn nun schon wieder los? Das kann doch gar nicht sein. Aber so ist das halt in Australien. Man macht das Feuerwerk um neun – ist ja auch Kinderfreundlicher. Zum Glück war ich da gerade am Memorial und hatte einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Auch – bevor ichs vergesse – in Australien ist das Feuerwerk staatlich organisiert. Private Feuerwerke sind strengstens verboten. Hat was mit dem Sicherheitswahn, aber auch mit der Waldbrandgefahr zu tun.
Bin dann anschliessend aber trotzdem weiter in die Stadt, denn irgendwie wollte ich nicht daran glauben das hier alles schon um neun vorbei sein soll. Die Stadt war dann auch voller Leute (so ca. 1Mio um der Presse mal zu glauben) – aber da alles in Bewegung war konnte ich nicht feststellen ob die alle kommen oder gehen oder bleiben oder was. So habe ich mir dann erstmal einen Chinesischen Leuchthut gekauft und einen Hotdog verspeist. Und dann habe ich den Rest von meiner 1,5 Liter Flasche Wasser vernichtet und mir eine neue gekauft. Es war nämlich brütend heiss. Wir hatten elf Uhr abends und die Temperatur war immer noch bei 32 Grad. Mir lief der Schweiss so richtig in die Schuhe. Und ich hatte extra noch ein langes Hemd um die Hüfte – man versucht ja aus den Weihnachtserfahrungen zu lernen. Nun ja, so bin ich dann bis Mitternacht in der Stadt umhergetieger – also mehr geschoben worden, denn eine Million Menschen lassen selbst auf einer sechsspurigen Strasse keinen Platz zum Atmen mehr. Ich habe es aber geschafft mich bis zum FederationSquare durchzuschlagen der angeblich das Zentrum der Sylvesteraktionen sein sollte. Da war dann auch rissen Leinwand und viel schlechte Covermusik. Verstehe ich ja nicht, wo’s doch in Melbourne so viel gute Bands mit eigenen Liedern gibt? Nun ja – und dann noch schnell viele SMS getippt und ab gingen die Böller. 15 Minuten Feuerwerk vom feinsten. So was habe ich ja noch nicht mal 2000 gesehen (also nur im Fernsehen). Richtig grosse Klasse – und die Menschen sind so richtig voller Freude mitgegangen und ich habe einen Menge Umarmungen von Leuten bekommen die ich gar nicht kannte. Die gutaussehenden weiblichen habe ich versucht festzuhalten was mir aber im Getümmel nicht gelungen ist . Und dann blieb nur noch der Schweisstreibende Heimweg – diesmal mit chinesischer Leuchtbommelmütze und immer noch auf dem Einrad (mein erstes Sylvester ohne Alkohol – besser so fürs Einradfahren). Da dann noch schnell die Kollegen in Singapur mit Grüssen bedacht – an dieser Stelle vielen Dank an alle die mir Grüsse geschickt haben – und ab in die Koje. Zum ersten mal diese Jahr ohne Decke und mit laufendem Ventilator – ich hatte fast 33 Grad im Schlafzimmer *schwitz*
In diesem Sinne – Happy new Year.
Und noch ein kleines Filmchen weils so schön war (3,8 MB)
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