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Die ersten Besucher aus Deutschland oder Wie die Gästematratze die Luft verlor (von Kerstin und Ralf)
Stellt Euch vor, man kommt in ein fremdes Land am anderen Ende der Welt und ist in der glücklichen Lage, dort – ja genau dort – einen Freund zu haben… Tja, wir waren die Glücklichen, das Land hieß Australien, und Jürgen war der besagte Freund, der uns trotz der sehr frühen Morgenstunde auf dem Flughafen Melbourne erwartete. Ab in Jürgens’ Sportauto mit Gangschaltung (!), raus in die Sonne und auf den Highway in Richtung Innenstadt. Der australische Verkehr ist nichts für Weicheier, denn die Aussies kann man nun wirklich nicht als gute Autofahrer bezeichnen. Jürgen ist es ja schon gewöhnt, so dass wir in einer halben Stunde nicht nur vor seiner Wohnung standen, sondern gleichzeitig schon etwas Sightseeing bekommen hatten.
Jürgens Wohnung liegt in einem bezaubernden Vorort von Melbourne, welches nicht nur nette Kneipen und eine tollen Promenade aufzuweisen hat, sondern auch noch super zentral zur City liegt. Wer Jürgen kennt, weiß, dass er bereits alle Vorbereitungen in seiner Wohnung getroffen hatte, damit wir uns gleich wie zuhause fühlen konnten: Gästematratze war aufgepumpt, Stadtplan lag zusammen mit etlichen Reisemagazinen parat, und der Kühlschrank war voll (kleiner Witz am Rande). Bitte fliegt jetzt aber nicht alle in Scharen zu Jürgen und rennt seine Bude ein, bitte einer nach dem anderen…
Jürgen musste dann doch leider irgendwann mal ins Büro, und wir wollten nach einer Dusche das Viertel, von welchem wir die nächsten Tage Bewohner waren, etwas näher kennen lernen. Also erstmal Lunch im Sonnenschein in der Acland Street, dann Richtung Theater und Vergnügenspark (Luna Park) und weiter zum Strand. Wenn man aus dem deutschen Winter kommt, kann man sich eigentlich gar nichts besseres vorstellen, als bei Sonne und 20° auf dem Pier zu schlendern und die Sandskulpturen zu betrachten, an denen Künstler wochenlang arbeiten, bevor diese dann die Gestalt einer Burg oder eines Tieres annehmen. Zurück bei Jürgen haben wir nicht nur festgestellt, dass Jürgen schon vor dem Haus auf uns wartete, sondern auch, dass die australischen Türschlösser nicht immer zuzuschließen sind…
Ohne es vorher zu planen, waren wir in Melbourne exakt zu der Zeit der Commonwealth Spiele, für die sich in Deutschland zwar keiner interessiert und somit keiner verfolgt, die aber für die Commonwealth Länder das Ereignis schlechthin darstellen. Melbourne war der diesjährige Austragungsort und daher voll an Touristen, Sportlern, Musikern, Attraktionen und mehr. Und wir mittendrin! Mit Jürgen als Reiseführer lernten wir dann Melbourne in seinen vielen unterschiedlichen Facetten kennen und lieben: Versteckte Arkaden, das Einkaufshaus Myers mit „lebendigen“ Schaufensterpuppen, Southgate, Food Corner, das Casino Crown mit seinem Prunk und Glitzer, Feuersäulen am Yarra River und coole Kneipen wie das Croft’s Institute (sehr nett im Hinterhof der Hinterhöfe gelegen) oder das Fifty-Five.
Jürgen hatte sich den nächsten Tag frei genommen, um uns die Stadtführung der besonderen Art zu geben und Antworten zu Fragen wie den folgenden zu finden:
- Was sind die Öffnungszeiten des Queen Victoria Markets?
- Was haben Jeans und die Herstellung von Schrotkugeln gemeinsam?
- Was essen die Aussies zum Frühstück?
- Warum zahlt man Eintritt ins Cook’s Cottage im Fitzroy Garden?
- Warum steht die Statue auf dem Kopf?
- Was sind DAS für Gebäude?
- Ist Indien nicht einfach überall?
- Ist Melbourne von oben genauso schön? (Sobald Ihr mal auf dem Rialto Observation Deck gestanden habt, könnt Ihr diese Frage mit einem klaren JA beantworten)
- Abends konnten wir dann das Opening der Commonwealth Spiele - das Tragen des olympischen Feuers zum Stadion - im Kreise der Queen und zehntausender anderen Leute miterleben. Vom vielen Stehen, Warten, Drängeln und Gedrängelt werden, fußmüde und durstig, ging’s danach gemeinsam mit Jürgens Freunden in den Irish Pub, um dort den Abend ausklingen zu lassen.
Am nächsten Tag, wieder auf uns alleine gestellt, mit Stadtplan und Jürgens Handynummer ausgerüstet, wurde die Sightseeingtour fortgesetzt: das studentische Viertel Carlton, die Kunstausstellung im IAV, das Immigration Center (sehr empfehlenswert) und der Queen Victoria Market im offenen Zustand. Zum Abendessen trafen wir uns mit Jürgen am Federation Square zur Duck-Lasagne und Afrokitsch. Melbourne bietet eine abwechslungsreiche Kneipen- und Weggehkultur, von der uns Jürgen unbedingt überzeugen wollte. Und er hat’s geschafft: Arthur’ - die coole Lounge, Honkey Ton’s – die Kneipe mit dem fantastischen Blick über die Stadt, Gin Palace – die Cocktailbar mit den Empfehlungen des Hauses. Man muss wirklich sagen, dass Melbourne für jeden Nachtschwärmer das passende Ambiente bietet!
Wir waren stolze Besitzer zweier Rugby Eintrittskarten für das Viertelfinale!!! Zwar gestaltete sich die Fahrt zum Stadion als nicht so einfach, da alle uns bekannten Verkehrsmittel aufgrund der Spiele nicht oder komplett anders fuhren, aber wir waren dennoch pünktlich. Wenn nicht, wäre es auch nicht so schlimm gewesen, da anfangs Länder gegeneinander spielten, die man im Geographieunterricht entweder überhört oder einfach nicht gelernt hatte. Oder kennt jemand von Euch Samoa bzw. weiß, wo es genau liegt? Jedenfalls ist dieses Land so bekannt, dass es im Spiel gegen England, von allen mit „Go Samoa go“ angefeuert wurde… oder sollte dies eher an der Beliebtheit der Engländer liegen?! Abends wollten wir dann zum Abschluss noch etwas typisch Australisches erleben: angefangen beim Känguru auf Salat zum Abendessen bis zum Abrocken im Esby, dem Club um die Ecke.
Es war Samstag und Aufbruchstimmung, da wir unsere Reise fortsetzten wollten. Jürgen brachte uns samt Gepäck zu Europcar, erklärte uns den Weg zur M1 und gab uns noch Tipps zum Überleben auf australischen Strassen. Und wir brachen auf, um weitere Abenteuer in diesem verrückten, liebenswerten und einzigartigen Land zu erleben…
Jürgen, bei Dir möchten wir uns nochmals für Deine Zeit, Deine Gastfreundschaft und für die vielen lustigen Momente bedanken, die unseren Urlaub zu etwas ganz Besonderem gemacht haben!!!
Ich habe mich riesig über euren Besuch gefreut War eine super Zeit!
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