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Hallo zusammen,

Diesmal geht es um Joggen, Autofahren, Wohnungssuche und Arbeiten in Down Under.

Ich also hier in Australien. Das Wetter ist nicht schlecht, aber doch ziemlich kalt (Hört auf mir ständig zu schreiben wie schön der Sommer in Deutschland wird - dann erspare ich euch die Pool-bilder im Winter J).

Die Wohnung die ich von Bosch übergangsweise bekommen habe ist für Familien ausgelegt und mit drei Schlafzimmern und zwei Bädern doch ein wenig gross für mich. Aber man gewöhnt sich doch ziemlich schnell an so ein wenig extra Platz. Meine Villa in 18/1 Mount Street, Glen WaverleyIch habe auch einen Begrüssungskorb bekommen mit allem was man so für die ersten Tage braucht. Also Müsli, Obst, Milch, Eier, Speck. Marmelade, Toast etc. Danke hierfür. Das nenn ich doch mal Luxus.

Also bin ich mal los zum Joggen um meine neue Umgebung kennen zu lernen. Ist schon ein wenig komisch. Die Strassen sind so breit wie bei den Amis, aber es gibt Gehwege mit kleinen Grünstreifen Richtung Strasse. Da war es nicht schwierig sich zu orientieren wo der normale Australier joggt - einfach nur der Dreckspur im Grass folgen. Aber Vorsicht. Wer zuerst nach rechts schaut lebt auf Dauer länger. Ich also meine erste Motorhaube heil übersprungen wie James Bond in seinen besten Tagen und gleich weiter in den Stadtpark. Bei uns würde man vielleicht auch Grünanlage sagen, denn ausser Weg und Wiese war nichts zu sehen. Ich habe mich auch spontan dagegen entschieden dem Schild "Melbourne 25 km" zu folgen - aber man könnte, wenn man wollte. Und dann immer der Sonne nach. Da ich ja immer noch ein wenig aus der Form - also auch aus der Puste bin, habe ich die nächste Abzweigung nach Hause genommen. Und nun kommt der Moment wo man sich an die DDR erinnert fühlt. Aus irgend einem Grund zeigen hier die Fussgängerschilder den besten weg, aber bei weitem nicht den kürzesten oder schnellsten. Mich beschlich das ungute Gefühl mich verlaufen zu haben. Also bin ich den Auto Schildern nach. Die Strecke verlor damit deutlich an Ästhetik, aber Autoschilder sind hier doch wesentlich zuverlässiger. Ich war ziemlich fertig. Und dann heisst die Strasse in der ich wohne auch noch Mount street - will jemand raten warum? (Die Parallelstrasse dahinter heisst "the outlook" - so als Zusatztip). So viel zu Körperertüchtigung. Ich wollte 20 min laufen und habe über eine Stunde gebraucht.

Das mein Luftgepäck seit drei Wochen schon in Melbourne ist sollte ja eigentlich nicht überraschen. Es hatte ja genügend Zeit. Leider hat man nur vergessen die Sachen auch durch den Zoll zu hohlen. So musst ich mir noch ein neues Hemd kaufen, denn ich kann ja nicht die ganze Wochen in dem einen Zubringen das ich mal vorsorglich eingepackt hatte. Nun sind die Sachen aber endlich da, glaube ich. Die haben den Koffer noch mal in einen Karton gesteckt und mit Stahlband umwickelt. Nach dem ich natürlich zu normalen Anlieferzeiten nicht daheim bin, sind die Sachen zu Bosch gekommen. Bin schon gespannt was wirklich in der Kiste ist. Vielleicht habe ich ja nun eine griechische Vorgartenstatue erstanden. Melbourne ist übrigens die grösste griechische Stadt ausserhalb Griechenlands, sagen die Griechen.

Zum Thema Autofahren. Ich weiss ja nicht wer von euch schon versucht hat im Linksverkehr unterwegs zu sein. Mit dem Camper auf dem Highway war das ja alles kein Problem. Nun haben sich die Melbournianer aber eigene Verkehrsregeln ausgedacht. So muss man zum rechts abbiegen (wie bei uns das Linksabbieger) ganz nach links aussen fahren um dann in einem riesigen Bogen über alle Spuren nach rechts zu kommen, aber da natürlich wieder links. Aber nicht immer. Nur wenn die Strasse mehr als zwei Spuren hat und in der Cityzone liegt, oder wenn die Strassenbahn parallel fährt, aber nicht wenn dann eine Haltestelle kommt, aber schon, wenn die mehr als zwanzig Meter von der Kreuzung weg ist. Ich also mitten rein in den Verkehr und erstmal die Scheiben wie wild gewischt. Ja, hat mich auch überrascht. Damit wollte ich dem Hintermann eigentlich mitteilen, dass ich abbiegen möchte. Das hat der aber nicht gewusst. Was ich nicht wusste ist, dass bei dem Auto der Blinker rechts ist und die Scheibenwischer links. Glaubt mir - ich habe die Scheiben noch einige male gewischt - Macht der Gewohnheit. Und dann natürlich ein Automatik Auto. Ich habe mitten auf der Strasse eine Vollbremsung hingelegt nur weil ich mit dem linken Fuss reflexartig nach der Kupplung treten wollte und das extra breite Bremspedal erwischt habe. Ist aber nichts passier, denn es war so gegen mitten in der Nacht. Gestern bin ich mal in die Innenstadt gefahren – dauert mit dem Auto etwa eine Stunde von meiner jetzigen Bude aus. Dabei wohne ich in der Innenstadt (so ca. 20 km vom Stadtzentrum – Melbourne hat ca. 50 km Radius) Die Ampeln hier sind deutlich besser als bei uns. Es stehen immer Ampeln vor- und hinter der Kreuzung. Man muss sich also nicht den Kopf verrenken. Komisch ist es nur beim abbiegen, denn dann fährt man ja direkt durch die roten Ampeln die für den geradeaus Verkehr gedacht sind.

Und dann wollte ich natürlich ein Konto eröffnen. Hier bekommt man sein Gehalt schon am 15. des Monats. Ich hatte also nur vier Tage Zeit ein Konto zu eröffnen – oder einen Monat auf Gehalt zu verzichten, und das muss ja nicht sein. Also habe ich mich ein wenig umgehört, und erfahren, dass die Citibank hier eine Filiale hat. Leider nur in der Innenstadt, aber mit guten Konditionen. Ich also voll Hecktick versucht in die Innenstadt zu kommen, denn es war schon vier und um fünf machen die zu. Ein Kollege hat mich dann im Auto mitgenommen – und wir waren auch rechtzeitig da. Leider musste ich dann erfahren, dass man Minimum 10.000 A$ braucht um da ein Konto zu eröffnen – habt ihr so was schon mal erlebt. Ich also wieder raus – und eine neue Bank gewählt. Nicht unbedingt die mit den besten Konditionen oder dem besten Filialnetz und den billigsten Gebühren – sondern die quer über der Strasse. Will ja schliesslich mein Gehalt. Und dann mit dem Zug wieder zurück zu Bosch um mein Auto zu holen. Dabei wäre ich fast am Fahrkartenautomat gescheitert. Bosch liegt in der Zone zwei. Nun versucht man als nicht Australier natürlich ein Ticket der Zone zwei zu kaufen. Das geht aber nicht. Kann ja auch gar nicht, denn der Hauptbahnhof liegt doch in Zone eins – wie kann ich nur so dumm sein. Also erst ein Ticket Zone eins kaufen, dann das Ticket wieder in den Automaten füttern um zu zeigen, dass man auch brav sein Ticket Zone eins hat – und dann eines der Zone zwei ordern. Was machen eigentlich die Leute in Zone fünf??? Später habe ich dann erfahren, dass es auch Automaten gibt, an denen man gleich ein Ticket Zone 1+2 kaufen kann. Aller Anfang ist halt schwer.

Vielleicht will der ein oder andere auch wissen was im Büro so los ist. Bin ziemlich guter Dinge. Die Kollegen sind alle sehr freundlich und wir verstehen uns gut. Das PM Team hat mit mir sechs Leute und wir sitzen zu viert in einer viereckigen Nische jeweils im Eck und noch zwei Leute auf einer Seite hinter der Wand. Mein neuer Chef hat auch viel Humor und hat mir gleich mal einen Werksausweis mit 7 Tage 24 Stunden Firmenzugang in die Hand gedrückt. Natürlich musste ich vorher noch zum Werksschutz, eines dieser Fotos machen, auf denen man dreinschaut wie Sirius Black oder der bankrotte Immobilienverkäufer von nebenan. Ich habe auch schon meine Aufgaben bekommen – alle Projekte die ich in den zwei Jahren in Australien machen will müssen in zwei Wochen fertig auf dem Tisch sein, denn da muss der Wirtschaftsplan stehen. Nach einer Runde lachen musste ich feststellen, dass die das ernst meinen. Es muss ja nicht alles fertig umgesetzt sein, aber die Konzepte müssen so stehen, damit man sie der Zentrale melden kann. Es geht hier also weiter wie es in Karlsruhe aufgehört hat. Kann man also sagen: Alles beim alten. Über mehr Details lass ich mich gerne in privaten Mails aus – sonst Endet das hier in ein Kryptischen Mail ueber WIPL, PLCM, P:P und schlag mich tot.

Ich habe auch eine Wohnung gefunden. Leider kann ich erst am 5.6. einziehen, aber so viel mal vorweg „MIT GROSSEM GÄSTEZIMMER“. Bin mit einer kleinen, dicken, blonden und unheimlich lustigen Immobilienmaklerin einen halben Tag durch Melbourne. Wendy meine Realasteade AgentinJede halbe Stunde eine Wohnung ansehen, acht Stück gesamt. Ist ja kein Problem?! Sie hat mir dann auch eine Liste mit Wohnungsbeschreibungen in die Hand gedrückt. Und, das ist kein Witz, musste feststellen, dass Australier ihre Wohnung nach der Küche kaufen (Ich habe extra vorsichtig bei den Kollegen nachgefragt bevor ich mich darüber lustig mache). Keine Angaben über Quadratmeter oder Balkon oder Garage oder was auch immer – nur die Küche, der Boden und die Lage werden genannt. Alles andere muss man dann vor Ort ansehen. Es gibt auch keine Grundrisse, schon gar nicht mit Abmessungen, aber die Wohnung hat einen Geschirrspüler – was will man mehr? Ich also die DigiCam geschnappt und mir fleissig Notizen gemacht, denn nach Wohnung Nummer fünf wusste keiner mehr wie Wohnung Nummer eins ausgesehen hat. Nach sechs Wohnungen war ich nicht mehr all zu guter Laune. Vier Wohnungen waren ziemlicher Schrott. Eine z.B. direkt am Strand, Erdgeschoss, Terrasse und komplette Fensterfront. Leider zwischen Terrasse und Strand eine vierspurige Strasse und die Terrasse wegen Lärmschutz mit einer zwei Meter hohen Mauer umschlossen. Hallo – will ich jeden Tag auf eine Mauer schauen? Was nutzt da der Strand gegenüber?In dem Haus ist meine Wohnung Ich dachte also ich muss mich zwischen Not und Elend entscheiden oder noch mal einen halben Tag durch die Stadt pilgern. Aber Wohnung Nummer sieben war dann der Glücksgriff. Von Aussen ein relativ hässlicher Wohnblock mit unten nur Garagen. Im Treppenhaus sind Teppichtapeten an der Wand und mir schwante eigentlich nichts gutes. Aber oben angekommen, natürlich ganz oben, und wie immer ohne Aufzug, war dann eine tolle Wohnung die über die ganze Gebäudebreite geht und sehr hell ist. Auch die Lage ist ganz gut. In 500 Metern kann man sich zwischen Strand und zwei kleinen Stadtteilzentren aussuchen. Die Kollegen meinten, dass einem da nicht langweilig wird. Adresse gibt’s nach dem Einzug.

Lasst es euch gut gehen

 

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